Kinder nichtdeutscher Muttersprache in den Spiel- und Kindergruppen und EKiZentren Vorarlbergs

Die Befragung erging an alle Spielgruppen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Eltern-Kind-Zentren in Vorarlberg. An der Befragung durch die "Servicestelle für Spielgruppen und Eltern-Kind-Zentren" nahmen 40 von insgesamt 87 Spielgruppen, 22 von insgesamt 44 Kindergruppen und 5 von insgesamt 18 Eltern-Kind-Zentren Teil. Die teilnehmenden Einrichtungen verteilen sich auf das ganze Land. Die Zahlen sollten annäherungsweise repräsentativ sein, wenngleich leichte Verzerrungen aufgrund der nicht steuerbaren Auswahl möglich sind. In den befragen Eltern-Kind-Zentren werden derzeit insgesamt 187 Kinder betreut, wovon 30, das entspricht 16%, Kinder nichtdeutscher Muttersprache sind. Die befragten Kindergruppen zählen insgesamt 737 Kinder. 122 oder 16,6% sind Kinder nichtdeutscher Muttersprache. Die befragten Spielgruppen betreuen derzeit insgesamt 1039 Kinder, wovon 127, das sind 12,2%, Kinder nichtdeutscher Muttersprache sind[1]. Der durchschnittliche Anteil in allen drei Betreuungsformen beträgt 14,2%.

Um die Entwicklung des Anteils nachvollziehen zu können, wurde im Fragebogen auch gefragt, wie sich die Anzahl Kinder nichtdeutscher in den letzten drei Jahren entwickelt hat. Zwei der fünf Eltern-Kind-Zentren berichten, dass die Zahl zugenommen hat, in zwei Einrichtung ist sie gleich geblieben und eine gab an es nicht zu wissen. Acht der befragten Kindergruppen berichten von einer Zunahme Kinder nichtdeutscher Muttersprache. In weiteren acht Kindergruppen ist die Zahl gleich geblieben und in zweien hat sie abgenommen. Die restlichen 4 Kindergruppen können darüber keine Auskunft geben ("weiß nicht"). In zwölf der 40 befragten Spielgruppen ist die Zahl der Kinder nichtdeutscher Muttersprache in den letzten drei Jahren gestiegen, in 22 ist sie gleich geblieben und in drei hat sie abgenommen. Die restlichen drei können dazu keine Auskunft geben ("weiß nicht"). Tendenziell hat die Zahl also stärker zu (22 Einrichtungen) wie abgenommen (5 Einrichtungen), und ist in einem großen Teil der befragten Einrichtungen (32) gleich geblieben.

Schaut man sich die Zahlen im Detail an, fällt auf, dass einzelne Einrichtungen in den größeren Ortschaften im Rheintal und Walgau bereits 25% und mehr Kinder nichtdeutscher Muttersprache haben. Hier wird der in den nächsten Jahren weiter steigende Anteil Kinder nichtdeutscher Muttersprache im Bildungssystem in den vorschulischen Kinderbetreuungseinrichtungen bereits deutlich sichtbar. In zuwanderungsschwächeren Regionen und Orten, finden sich hingegen noch relativ viele Einrichtungen, die gar keine Kinder nichtdeutscher Muttersprache haben. Den überwiegenden Teil der Gruppe Kinder nichtdeutscher Muttersprache stellen mit 57% die türkischsprachigen und die Kinder aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 20%. Dies ist von großer Bedeutung, da sich hier die erhöhte Bildungsaspiration der türkischstämmigen Eltern und das damit verbundene Bedürfnis nach einem frühen Spracherwerb der Deutschen Sprache für ihre Kinder widerspiegelt. Eltern migrantischer Herkunft schicken laut Auskunft der Spiel- und KindergruppenbetreuerInnen ihre Kinder verstärkt in vorschulische Betreuungseinrichtungen, um ihnen den Deutscherwerb und die sprachliche und schulische Integration zu erleichtern.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage inwiefern der Anteil der Kinder nichtdeutscher Muttersprache an den jeweiligen Betreuungseinrichtungen bereits für ihren Gesamtbevölkerungsanteil repräsentativ ist. Diese Frage kann nur mittels Behelfszahlen beantwortet werden, da die Kinder in der Bevölkerungsstatistik nicht nach Muttersprache, sondern nach Staatsbürgerschaft erfasst werden. Aufgrund der hohen Einbürgerungszahlen in den letzten 15 Jahren, kann nicht mehr festgestellt werden, wie viele Kinder eines Jahrganges tatsächlich nichtdeutscher Muttersprache sind. Laut Kindertagesheimstatistik der Landesstatistik waren aber im Schuljahr 2005/2006 von den 8.779 Kindern in Vorarlberger Kindergärten 1.968, das sind 22,4%, Kinder nichtdeutscher Muttersprache. Da die Betreuungsquote bei den 4-6 Jährigen im Kindergarten bei über 95% der gesamten Wohnbevölkerung in diesem Alter liegt, kann also davon ausgegangen werden, dass Kinder nichtdeutscher Muttersprache derzeit ca. 22% eines Jahrganges stellen. Insgesamt kann also festgestellt werden, dass der Anteil Kinder nichtdeutscher Muttersprache in Vorarlberger Spiel- und Kindergruppen, sowie Eltern-Kind-Zentren steigt, aber noch nicht ganz ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht.

Gefragt wurde auch nach Problemen und Potentialen, die mit der Zunahme von Kindern nichtdeutscher Muttersprache in den Betreuungsinstitutionen einhergehen. Ein großer Teil der Nennungen betrifft die Herausforderung, die dadurch erwächst, dass die Kinder die Landessprache noch nicht beherrschen. Das ist für viele Institutionen eine neue Situation und berührt Fragen der Förderung des Spracherwerbs aber auch der Verständigung mit diesen Kindern und ihren Eltern im Spiel- und Kindergruppenalltag. Auch genannt wurden Probleme, die mit anderen Erziehungskonzepten bspw. in der Frage der unterschiedlichen Erziehung von Mädchen und Buben einhergehen können, und die Herausforderung der Integration einer weiteren Religion in den Alltag der Institution. Generell wurde zurück gemeldet, dass die Situation eine erhöhte Aufmerksamkeit der Betreuerinnen erfordert, weil diese Kinder andere, für die Institutionen neue Bedürfnisse mitbringen. Auf der Potentialseite wurde darauf verwiesen, dass durch diese Situation sehr gut die Vielfalt von Sprachen, Religionen und Kulturen thematisiert werden und damit bereits in der Kinder- und Spielgruppe (die zunehmend geforderte) interkulturelle Kompetenz erworben werden kann.

Gewünscht werden von den Pädagoginnen Weiterbildungsmöglichkeiten zu den neu aufgeworfenen Fragen (Spracherwerb, Umgang mit Mehrsprachigkeit, soziale und kulturelle Hintergründe der Kinder und Eltern, ...) sowie niedrigschwellige schnell kontaktierbare Anfragemöglichkeiten und diverse Übersetzungshilfen für den mehrsprachig gewordenen Alltag der Institutionen. Weiters wurde genannt, dass die neue Situation auch den Einsatz von mehr Personal erfordern würde. Als sinnvoll erachtet werden auch Deutschkursangebote für Eltern.

Die "Servicestelle für Spielgruppen und Eltern-Kind-Zentren" hat die geforderten Themen bereits in ihr Weiterbildungsprogramm integriert und wird das noch weiter ausbauen. Geplant ist auch ein fixer Themenschwerpunkt zu diesen Fragen im Ausbildungslehrgang der Servicestelle. "okay. zusammen leben" hat seine Beratungstätigkeit im Themenfeld "Elternarbeit" und seine Übersetzungsangebote für die Schnittstelle "Eltern - Kindergarten/Volksschule" für die Spiel- und Kindergruppen geöffnet.

Auswertung des Fragebogens veröffentlicht in einem Rundmail von "okay.zusammen leben"


[1] Die Daten sind nicht direkt mit den Zahlen in der Kindertagesheimstatistik 2005/2006 der Landesstelle für Statistik vergleichbar, da dort der 15. 10. 2006 der Stichtag war, während diese Erhebung im März und April 2006 durchgeführt wurde. Weiters werden in der Kindertagesheimstatistik, im Gegensatz zu dieser Erhebung, einzelne Spielgruppen zu den Kindergruppen gezählt. Die Kindertagesheimstatistik des Landes berechnet für das Schuljahr 2005/06 in den Kindergruppen einen Anteil an Kindern nichtdeutscher Muttersprache von 14,3% und für die Spielgruppen von 8,7%. Die Zahlen weichen also deutlich von denen dieser Studie ab. Dies kann einerseits durch die unterschiedliche Zuteilung und andererseits durch den anderen Erhebungszeitraum erklärt werden. Zählt man die Prozentwerte für die Kinder- und Spielgruppen zusammen, und berechnet daraus einen Durchschnittswert für den Anteil an Kindern nichtdeutscher Muttersprache, erhält man in der Kindertagesheimstatistik einen Durchschnitt von 11,5%. In der hier zitierten Erhebung ergibt sich ein Durchschnitt von 14,4%. Zählt man beide Gruppen zusammen, gleichen sich die Unterschiede somit an. Der restliche Unterschied kann durch einen leichten Zuwachs aufgrund des unterschiedlichen Erhebungsdatums erklärt werden. In der Kindertagesheimstatistik wurden keine Zahlen für die Eltern-Kind-Zentren erhoben.

 

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